Bäder und Nierenfunktionen

AUTOR:  Prof. Dr. W. Schnizer: Projekt 06

Um Sinn und Zweck von Bäderanwendungen zu verstehen, muss man die Reaktionen des Organismus studieren, die von einem Bad ausgehen. Diesbezüglich wird in der Grundlagenforschung der Bäderheilkunde der Frage nach den Effekten der in einem Bad zum Tragen kommenden Wirkfaktoren (mechanische, thermische, chemische) nachgegangen. Daraus lassen sich auch für eine Therapie Schlussfolgerungen ziehen. Die bisherigen aus wissenschaftlichen Studien gewonnenen Erkenntnisse zeigen eine Vielfalt von Bäderwirkungen in verschiedensten Organsystemen (Herz-Kreislauf, Niere, Muskulatur, Lunge, Hormone), insbesondere innerhalb der Regulation des Salz-Wasserhaushalts und des Blutkreislaufs. 

Die Beobachtung der vom Vollbad ausgehenden erhöhten Harn- und Salzausscheidung hat schon früh dazu geführt, Bäderbehandlungen bei Krankheiten mit Störungen der diuretischen Funktion, oder z. b. bei Ödemen, zu empfehlen. In diesem Zusammenhang steht die vorliegende experimentelle Untersuchung. Hier wurde die Wirkung eines 40-minütigen thermoneutralen Vollbades auf die Nierenfunktion, das Blutvolumen und verschiedene Hormone (ANF, Renin, Aldosteron) an insgesamt 27 Schwangeren (13 gesunde Schwangere (GI) und 14 Schwangere mit Ödemen bzw. EPH-Gestose (GII) geprüft. 

Das Vollbad bewirkte eine Zunahme der Harnbildung um das 3-4fache der Kontrollwerte. Gegenüber der Gruppe gesunder schwangerer Frauen (GI) bestand in der Patientinnengruppe (GII) tendenziell eine vergleichsweise stärkere Reaktion. Was die Mineralausscheidung angeht, fand sich für Natrium und Kalium eine Zunahme mit im Mittel auf 139 % (GI) und 236 % (GII) bzw. auf 154 % (GI) und 233 % (GII). In der Patientinnengruppe, nicht aber bei den Gesunden, kam es zu einer Steigerung der Kreatinin-Clearance, in beiden Gruppen aber erhöhten sich osmotische und Freiwasser-Clearance signifikant, ebenso wie das Plasmavolumen. Ferner hat das Bad eine Zunahme der Blutkonzentration des ANF, eines Hormons der Salz-Wasser-Kreislaufregulation, sowie eine Suppression von Reninaktivität und Aldosteron, verursacht. 

Die in dieser Studie angesprochenen Wirkmechanismen des Bades lassen sich als ein ödemmobilisierendes bzw. „ausschwemmendes“ Prinzip charakterisieren. Zu Grunde liegen die im Bad veränderten kapillaren Austauschbedingungen der Peripherie sowie die Aktivierung der Salz- und Wasserausscheidungen in der Niere. Der Effekt lässt sich nicht nur bei Ödempatienten bzw. bei Ödemneigung lymphatischer und venöser Verursachung nutzen, sondern auch zur Verbesserung der Ernährungslage in den Weichteilen des Bewegungsapparates bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Solches kommt einer heute aus gutem Grund gesuchten nichtmedikamentösen und möglichst natürlichen Behandlungsweise von Erkrankungen sehr entgegen.


Institut zur Erforschung von Behandlungsverfahren mit natürlichen Heilmitteln e. V. Bad Füssing
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